5 Fragen an Simon Geiger

1. Dein Lebenslauf ist außergewöhnlich, bunt und bewegt. Wie hast du es immer wieder geschafft, bei allem, was Du tust, erfolgreich zu sein und heute nicht nur räumlich, sondern auch im Herzen in der Dominikanischen Republik angekommen zu sein?

Das ist eine spannende Frage, zumal ich gar nicht das Gefühl habe, immer mit allem erfolgreich gewesen zu sein. Die Frage ist ja, was überhaupt Erfolg für einen bedeutet. Wenn ich heute zurückschaue, empfinde ich die Dinge, bei denen ich gedacht hatte, ich sei erfolgreich, gar nicht mehr so. Denn ich habe damals nicht das Leben gelebt, das ich mir gewünscht habe. Ich musste erst mal herausfinden, was ich im Leben will.

Wenn ich was gemacht habe, dann bin Ich immer „all in“ gegangen – egal, ob es das Tattoostudio, die Gastronomie oder das Network-Business war. Ich denke, das ist entscheidend, um ein Leben zu führen, von dem man sagen kann, jetzt bin ich erfolgreich.
Heute lebe ich ein erfolgreiches Leben in allen Bereichen und nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht – auch wenn das die Grundlage ist. Geld ist für mich durchaus wichtig im Leben. Ohne Geld ist es doof. Aber es sind auch viele andere Dinge, die für mich zu einem erfolgreichen Leben dazu gehören, wie Zeit zu haben für die Dinge, die ich gerne machen möchte, eine gesunde Beziehung zu haben. Ich musste tatsächlich mit meinen ganzen Unternehmungen davor herausfinden, ob ich das damit erreichen kann und wo ich künftig hingehen möchte.

2. Du warst Restaurantbesitzer, hattest ein Tattoo-Studio, warst Piercer, Go-go-Tänzer, hast in einem umgebauten LKW gewohnt und vieles mehr. Du weißt, wie man Ziele erreicht. Was braucht es deiner Meinung dafür?

Ein starkes Warum ist immer die Voraussetzung und ein unumstößlicher Glauben an sich und daran, etwas umzusetzen. Ich bin ein Träumer. Das war schon immer so. Für mich galt schon immer: Wenn ich es träumen kann, dann muss es für mich möglich sein. Denn es gibt ja andere, die diesen Traum leben. Dann habe ich für mich eine Vision kreiert. Je mehr ich es visualisiert und mich da reingefühlt habe und je konkreter das Ganze wurde, wurde es für mich erst zu einem klaren Ziel und dann zu einer unumstößlichen Wahrheit. Für mich war dann immer klar: Ich werde da hinkommen. Ich konnte es sehen, schmecken und fühlen. Dass wir die Gastronomie erfolgreich aufziehen können, hat uns damals keiner zugetraut. Aber ich konnte es bereits in den Räumlichkeiten des früheren Vermessungsamtes in Müllheim vor meinem inneren Auge sehen wie es sein wird. Und dann war klar, dass ich das erreichen werde. Und dann bin ich auch hier„all in“ gegangen.

Für mich fühlen sich die Sachen immer schon real an, bevor sie überhaupt real sind. Das sind Dinge, die ich heute auch gerne weitergebe. Was immer super funktioniert, ist, ein Vision Board zu machen und sich morgens in der Jetzt-Form zu sagen „ich bin“ und nicht „ich werde“. Bevor man was haben kann, muss man erst zu der Person werden, die das Ziel erreichen kann. Da musst Du Dich mit Dir selbst beschäftigen und weniger mit dem Außen. Dann klappt das. Ich war immer verrückt genug zu sagen „Na klar geht das, ich werde es Euch zeigen“, wenn Menschen gesagt haben „das geht nicht“. Die Techniken, um sich selbst umzuprogrammieren, kann man erlernen. Das einzige Limit ist im Kopf.

3. Der Preis von Geld und Erfolg war im Jahr 2006 ein Burnout, der Dich 1 Jahr aus der Bahn geschmissen hat. Wie ist es Dir gelungen, einen „gesünderen“ Weg für Dich zu finden, der besser zu Dir passt?

Rückblickend würde ich heute sagen, dass der Burnout eines der besten Dinge war, das mir in meinem Leben passiert ist. Es ist echt irre, denn es war die absolute Hölle. Ich war vorher jemand, der immer gesagt hat „ich bin unbesiegbar, ich schaffe alles, ich kann alles“. Und plötzlich tut sich unter Dir ein Loch auf und es geht gar nichts mehr. Das war ein fürchterlicher Zustand. Ich kannte mich überhaupt nicht mehr. Aber es war eine unglaubliche Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln. Meine Erfahrung ist, dass man sich in schweren Zeiten schneller entwickelt als in guten. Denn wenn es einem schlecht geht, wird man gezwungen, sich weiter zu entwickeln. Ich habe schon immer im geschäftlichen Bereich 100 % Eigenverantwortung übernommen. Wenn etwas schief gelaufen ist, habe ich nie jemand anderes dafür verantwortlich gemacht, sondern die Verantwortung für meine Entscheidungen und mein Handeln getragen. Als ich den Burnout erlitten habe, habe ich erst verstanden, dass ich genau diese Eigenverantwortung auch für meine körperliche und geistige Gesundheit übernehmen muss. So habe ich mich erst mal auf mich konzentriert. In so einer Situation ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass es mir gut geht. Wenn es mir gut geht, dann kann ich mich um alles andere, andere Menschen oder was wir am Herzen liegt, kümmern. Ich habe meinen Lebensstil geändert, von Ernährung über Stressmanagement bis hin zu Sport und habe daran gearbeitet, dass es mir wieder gut geht. Die Gesundheit zu pflegen, war erst mal meine wichtigste Aufgabe.

4. Wie kann es Deiner Meinung nach gelingen, mehr Entscheidungen zu treffen, die den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen? Und lässt sich das auch für angestellte Arbeitnehmende realisieren?

Ob man angestellt oder selbständig ist, finde ich ehrlich gesagt nicht so wichtig. Es gibt ein tolles Buch, das heißt „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ und die Nr. 1, die Sterbende bereuen, ist, dass sie nicht ihr Leben gelebt haben, sondern das, was andere von ihnen erwartet haben. Das war immer ein wichtiger Punkt für mich, zu hinterfragen: Was will ich in meinem Leben? Wie soll mein Leben aussehen? Wie sieht mein Tagesablauf aus? Wo möchte ich leben? Welche Menschen möchte ich um mich haben? Wie möchte ich finanziell ausgestattet sein? Und dann kannst Du Dir das – ähnlich wie mit den Träumen – visualisieren.

Ich habe mir Menschen angeschaut, die das Leben haben, das ich mir für mich vorstelle. Die einen ähnlichen Startpunkt hatten wie ich. Das kann ich jedem sagen: Egal, wo Du stehst, es gibt da draußen ganz sicher Beispiele von Menschen, die genau da angefangen haben, wo Du jetzt stehst und die genau das erreicht haben, was Du erreichen möchtest. Das kann sehr unterschiedlich sein. Mein Traum war es, den Winter im Warmen zu verbringen und den Sommer auf dem Boot. Das mache ich heute. Davor war ich selbständig, habe quasi Tag und Nacht mit extrem viel Druck und Stress gearbeitet und war sozusagen der Sklave meines Unternehmens. Dann habe ich Menschen zugehört, die ähnlich gestartet sind wie ich. Was machen die anders? Wie ist deren Denke? Was ist ihre Zielsetzung? Was tun die jeden Tag, um dahin zu kommen? Wenn es zu Deinen Zielen passt, angestellt zu sein, dann bleibe angestellt. Aber wenn es vielleicht nicht passt, dann wird sich das verändern. Wenn Du nicht da bist, wo du sein möchtest, kannst Du immer was verändern. Jeder hat die Macht, etwas zu verändern. Man muss die Angst loslassen und Urvertrauen haben. Ich bin davon überzeugt, wenn man seinem Herzen folgt, entwickelt sich eine Begeisterung, Freude und Energie, die auch für andere Menschen attraktiv sind, und dann wird es erfolgreich. Nicht immer sofort. Man fällt auch mal hin, aber dann steht man wieder auf und macht weiter.

5. Ein Gemeinschaftsprojekt wie die Taino Farm kann nur funktionieren, wenn den Werten und Meinungen aller Beteiligten Raum gegeben wird. Das ist nicht immer einfach, vor allem nicht für „Mr. Independent“. Wie schafft Ihr es trotzdem, dass alle zu ihrem „Recht“ kommen?

Ich bin ganz ehrlich: Das ist aktuell meine größte Challenge. Ich war Unternehmer habe immer bestimmt, wo es langgeht. In der Taino Farm haben wir eine flache Hierarchie und es gibt keinen Chef. Wir müssen miteinander kommunizieren und gemeinsam Entscheidungen treffen. Dabei versuchen wir immer, einen Konsens zu finden. Denn Abstimmungen in einer Gemeinschaft schaffen Konflikte, denn dabei gibt es immer auch Verlierer. Wenn wir Themen haben, bei denen wir uns nicht alle einig sind, müssen wir uns solange besprechen, bis wir alle sagen „okay, das passt für uns so.“

Als Unternehmer möchte man Dinge immer optimal machen – mit möglichst wenig Aufwand den maximalen Ertrag herausholen. Das kann man bei diesem Projekt direkt vergessen. Man muss jedem die Möglichkeit geben, Dinge zu entwickeln, Dinge auszuprobieren. Für mich ist der Schlüssel, aber auch die Challenge, die Kommunikation. Dabei geht es darum, nicht nur über Abläufe und Projekte zu sprechen, sondern auch sich selbst mitzuteilen. Wir machen regelmäßige Meetings vor Ort. Was extrem hilft, ist, sich hinzusetzen und zu sagen. Wie fühle ich mich? Dann entspannt sich schon mal alles. Denn jeder lebt in seiner eigenen Welt. Wenn Konflikte entstehen, beruhen diese meistens auf Missverständnissen. Um diese zu vermeiden oder auszuräumen, hilft es, wenn sich alle einander mitteilen. Dabei ist es wichtig, Dinge so zu adressieren, dass das Gegenüber das versteht, was ich ihm sagen möchte.

Als Audio anhören:

Über Simon
Simon Geiger ist ein Multitaltent. Er ist Farmbesitzer, Investor, erfolgreicher Multilevel-Marketer, Hunderetter und noch vieles mehr. 2023 berichtete eine ZDF-Reportage im Rahmen von „Hallo Deutschland“ über ihn.