Dieser Beitrag ist Teil aus meiner Serie mit positiven Impulsen, Denkanstößen und hilfreichen Tipps für Ihre Führungsarbeit. Lesen Sie auch:

Selbstführung in schwierigen Zeiten

Zum Einstieg eine persönliche Frage an Sie: Wie geht es Ihnen?
Hat die Angst in den vergangenen Tagen bzw. Wochen auch bei Ihnen angeklopft und sich gar Eintritt in Ihr sonst recht geregeltes Leben verschafft? Bei mir war das definitiv der Fall, und die Angst hatte mir einiges zu sagen. In Zeiten wie diesen ist es schwierig, die eigenen Gedanken zu fokussieren, aufkommende Gefühle zu verstehen oder gar zu kontrollieren. Alles ist einfach anders. Wo geht die Reise hin? Selbst Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesundheit können es kaum bis gar nicht beantworten. Also müssen wir uns unsere eigene Perspektive schaffen. Wir alle sitzen im selben Boot. Entscheidend ist, wie wir uns in diesem Boot verhalten, wie wir miteinander umgehen und wohin wir reisen.


Wenn ich mich an meine letzten Begegnungen mit Führungskräften vor Ausbruch der Corona Pandemie erinnere, dann gab es immer wieder folgende zwei Hauptschmerzpunkte:

  1. Ich habe keine Zeit zum Führen
  2. Ich fühle mich wie im Hamsterrad

Aktuell haben beide Punkte keine Relevanz. Durch den verordneten Shutdown zur Bewältigung der Corona-Krise haben wir plötzlich mehr Zeit zum Führen und das Hamsterrad wurde abrupt aus voller Fahrt ausgebremst.
Wo immer wir Stabilität im Außen suchen, werden wir die Erfahrung machen, dass sie nicht im Außen zu finden ist. Wahre Stabilität und Vertrauen gibt es nur tief in uns.
Stellen Sie sich Ihren Ängsten und nehmen Sie die Möglichkeit wahr, jetzt über sich hinauszuwachsen. In jeder Krise steckt bereits das Samenkorn für einen Neubeginn.
Noch ist es eindeutig zu früh, auf ein posttraumatisches Wachstum zu setzen. Die Not will erkannt, verstanden und anerkannt sein – sie ist kollektiv und hoch individuell zugleich. Geben Sie der Angst Raum im Herzen und schämen Sie sich nicht, wenn Sie sie verspüren. Bleiben Sie nicht im stillen Kämmerlein des mentalen Rückzugs.
Gewohnheiten werden gerade gebrochen, soziale Kontakte unterbrochen, Routinen gibt es nicht mehr. Von außen wird uns suggeriert, wir müssen gerade in Situationen wie diesen einen kühlen Kopf bewahren. Wir können nicht leugnen, was „da draußen“ passiert.

Aber wie können wir verlorene Kontrolle zurückgewinnen und wie die Zukunft im Auge behalten? Wie können wir mit einer solchen Situation umgehen?

Vorneweg, es gibt für mich kein Patentrezept, und auch ich kann nicht sagen was die Ideallösung ist. Dennoch ist klar, dass eine gute Selbstführung Kraft, Zuversicht, Energie und Perspektive geben kann. Hier ein paar Möglichkeiten wie Sie den momentanen Herausforderungen begegnen können.


Tipp Nr. 1 – Zurück in die Entwicklungszone
Wenn Menschen in ihren Gewohnheiten verharren, sich schwertun, sich zu motivieren und die größte Motivation ist, keinerlei Veränderung im Beruf oder Privatleben zu erfahren, dann befinden wir uns in einer Komfortzone, die uns Sicherheit und Altbekanntes gewährt. Hier findet keine persönliche Entwicklung statt. Weder als Mensch noch in den verschiedenen Rollen, z.B. als Führungskraft. Der Weg aus der Komfortzone kann durch selbst angetriggerte Entwicklungen, Weiterbildungen, initiierte Coachings, neue Aufgaben, mehr Verantwortung oder Veränderungen kommen. Hier haben wir bisher das Unternehmen und uns selbst sehr gut geführt und konnten uns umschauen, was uns außerhalb der Komfortzone alles erwartet. Damit haben wir uns in neuem Terrain – in der Entwicklungszone – bewegt.
Aktuell passiert jedoch Folgendes: Wir Menschen werden ungeplant, voll Pulle und ohne zeitliche Struktur, aus der Komfortzone in eine Zone katapultiert, die wir nicht kennen: die Panikzone. Hier dominieren unangenehme Gefühle und Bedürfnisse wie Angst, Überforderung, Perspektivlosigkeit. In dieser Zone findet keine Entwicklung statt. Wir befinden uns in einem Zustand, der wie ein „Notaggregat“ funktioniert. Von hier müssen wir also zurück in die Entwicklungszone.


Tipp Nr. 2 – Vergessen Sie positives Denken
Angst, Trauer, Wut – Diese Gefühle mögen Ihnen derzeit bekannt vorkommen. Gefühle, die wir so nicht haben wollen. Aber Gefühle haben eine Aufgabe. Sie sind wie ein Kompass, der uns die Richtung vorgibt. Gefühle können wir aber nicht mit Sachargumenten und Zahlen, Daten, Fakten aus den Nachrichten begegnen. Daher ist es wichtig:

  • Gefühle wie Angst dürfen uns vorsichtig und wachsam machen. Sie können uns helfen!
  • bevor wir unsere Angst und Not nicht seelisch anerkennen und fühlen dürfen, kommen wir in keinen Entwicklungsprozess
  • Lösen Sie sich von dem, was war, indem Sie akzeptieren was ist. Lassen Sie los und führen Sie keinen Kampf mit der Realität
  • Gefühle wahrzunehmen. Dies schaffen Sie nur mit bewusster Wahrnehmung, z.B. in ruhigen Momenten, bei fokussierten Reflexionen, bei Mediationen oder bei einem Waldspaziergang
  • Radikale Akzeptanz der Situation und Gefühle

Das positive Denken oder eine optimistische Sicht werden sich dankbar als Ergebnis aus den oben genannten Punkten zurückmelden.


Tipp Nr. 3 – Einnehmen der Helikopterperspektive
Schaffen Sie einen Raum der Reflexion und beantworten Sie schriftlich folgende Fragen:

  • Warum könnte das, war gerade passiert, für mein künftiges Leben gut sein?
  • Was kann ich aus dem, was gerade passiert, für die Zukunft für mich und meine Führungsarbeit lernen?
  • Wer möchte ich nach der Krise sein? (Beschreiben Sie hier genau Ihre Vorstellung wie Sie gestärkt aus der Krise gehen und zu welcher Persönlichkeit Sie sich in dieser Zeit entwickelt haben)


Tipp Nr. 4 – Das Mindset entscheidet
Bleiben Sie am Ball was aktuelle, wichtige und relevanten Informationen für Sie und Ihre Arbeit als Führungskraft sind. Dies können interne Regelmeetings sein, Krisensitzungen und natürlich auch die Medien. Aber Vorsicht, die Medien polarisieren auch und stellen mitunter vieles negativer dar als es tatsächlich ist. Deshalb fokussieren Sie auf das, was wichtig ist, und konsumieren Sie nicht wahllos alle Nachrichten. Dadurch können Sie besser filtern und wahrnehmen und schaffen mehr Klarheit in Ihrem Denken.
Es ist schwierig, in der Krise nach außen zu schauen. Aber diese Zeit bietet auch für uns Führungskräfte eine Chance zu lernen. Zu lernen, was zu tun ist, wenn sich Rahmenbedingungen nicht durch das eigene Handeln beeinflussen lassen. Hier gilt es, sich neue Denkmuster und Verhaltensweisen anzueignen und die Situation als Lernsprint zu nutzen. Ergo, wenn Ihre Lernkurve schneller ist als die Veränderung der Situation, schafft das wieder mehr Kontrolle.


Tipp Nr. 5 – Machen Sie sich einen Plan
Ein Plan für die eigene Führungsarbeit gibt Sicherheit, Struktur, Perspektive, Orientierung.
Schreiben Sie auf, bis wann Sie was mit Ihrem Team erreicht haben wollen. Notieren Sie wo und wie Sie sich in Ihrer Führungsarbeit weiterentwickeln können.

Das wird Ihnen helfen, wieder ein Stück weit Souveränität und Kontrolle zu bekommen. Indem Sie so die einzelnen Bereiche im Blick haben und kontrollieren, verliert das Außen an Dominanz.