Anja Förster

Anja Förster ist Diplom-Betriebswirtin, MBA/MIM-Absolventin, Co-Gründerin von „Rebels at Work“, mehrfach Bestseller-Autorin (u. a. „7 Superkräfte“, 2024) und Rednerin in über 30 Ländern. 

1. Du sagst: Konventionen brechen ist kein Stilbruch, sondern Notwendigkeit. Was bedeutet das konkret für Führungskräfte, die täglich mit Druck, Kontrolle und Struktur arbeiten? 

Konventionen sind bequem und bequem ist gefährlich. Wer unter Druck nur auf Kontrolle und Struktur setzt, verwechselt Stabilität mit Stagnation. Führung hat einen Störauftrag und das heißt, den Status quo klug infrage zu stellen. Und das regelmäßig. Das ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Denn der disruptive Fortschritt sendet uns keine freundliche Ankündigung, bevor er bei uns vor der Tür steht. Er rennt einfach die Tür ein. Aber in vielen Organisationen herrschen noch starke Beharrungskräfte, als hätte man unendlich viel Zeit. Führungskräfte müssen diesen Taktwechsel ernst nehmen: Wer außen schnell sein will, muss innen beweglich sein. Das heißt, Strukturen so zu gestalten, dass Veränderungswille nicht die Ausnahme bleibt, sondern zur Kernkompetenz wird. 

2. Du thematisierst oft innere Muster, die uns fremdgesteuert handeln lassen. Wie können Führungskräfte diese ‚Antreiber‘ erkennen und transformieren – um sowohl sich selbst als auch ihr Team aktiver zu steuern? 

    Führungskräfte sind besonders anfällig, im Takt fremder Erwartungen zu marschieren: Effizienz, Dauerperformance, Selbstoptimierung. Das Mantra der Getriebenen. Doch wer nur reagiert, führt nicht, sondern funktioniert. Die Antreiber sitzen nicht nur im Kalender oder in den Zielvorgaben, sondern tief im Inneren: der Drang, zu gefallen, immer souverän zu wirken und pausenlos zu liefern. Wer diese Muster erkennt, gewinnt nicht nur Klarheit, sondern auch Autonomie zurück. Selbstreflexion ist kein Rückzug, sondern strategische Führung nach innen. Denn Führung beginnt nicht beim Steuern anderer, sondern beim Hinterfragen der eigenen Automatismen. Wer sich selbst nicht führt, wird geführt von Systemen, Erwartungen und alten Mustern. 

    3. In Deinem Buch ‚Vergeude keine Krise‘ betonst Du, dass Krisen auch Chancen sind. Woran erkennen Führungskräfte, ob sie gerade in einer echten Krise stecken, und wie nutzen sie diese wirklich produktiv? 

    Krisen sind keine Betriebsunfälle. Sie sind Realitätsschocks. Sie zeigen schonungslos, was wir nicht sehen wollten oder lange verdrängt haben. Eine echte Krise erkennt man daran, dass alte Rezepte nicht mehr greifen, Routinen versagen und Führung plötzlich vor der Herausforderung steht, das Unbekannte gestalten zu müssen. In solchen Momenten geht es nicht nur um Schadensbegrenzung, sondern auch um Mut. Wer in solchen herausfordernden Zeiten den Mut hat, Widersprüche auszuhalten und produktiv zu machen, der nutzt die Krise als Katalysator. Denn fordernde Zeiten sind immer Denkzeiten: für Neues, für Klarheit, für echten Wandel. Es ist kein Widerspruch, sondern ein Zeichen von Vernunft, gerade dann mutig zu denken. 

    4. Wie gelingt es, in Zeiten von Dauerverfügbarkeit und Veränderung eine gesunde Selbstführung zu bewahren – ohne sich selbst zu verlieren? 

      Was ich in meinen Vorträgen für Führungskräfte immer wieder betone: Entschleunigung ist keine Achtsamkeitsfolklore, sondern eine zentrale Kernkompetenz. Was ihr am meisten im Weg steht, ist der überspannte Sofortismus und die dauergehetzte Atemlosigkeit unseres Alltags. Sich dem bewusst – und regelmäßig – zu entziehen, um wieder zum Subjekt des eigenen Handelns zu werden, darum geht es im Kern. Wertschöpfende Arbeit entsteht längst nicht mehr durch die Reproduktion des Bekannten, sondern durch die Gestaltung des Neuen. Kluge Ideen und tiefes Denken wachsen nicht im Takt des Terminkalenders, sondern in Momenten der Stille, in denen Urteilsvermögen reifen kann. Präsenz ist heute kein Soft Skill, sondern ein Überlebensprinzip. Denn eines ist sicher: Wer keine Zeit mehr zum Denken hat, hat sich längst aus der Rolle als Wertschöpfer*in verabschiedet. 

      5. Wenn Du Führungskräften, die ihre Karriere gerade starten, eine einzige Maxime mit auf den Weg geben könntest, welche wäre das und warum? 

        Führen heißt nicht, die Erwartungen anderer perfekt zu erfüllen, sondern das Richtige zu hinterfragen. Wer Karriere macht, indem er sich anpasst, wird nie gestalten, nur verwalten. Deshalb: Bleib unbequem, auch dir selbst gegenüber. Denn wer immer nur mitläuft, kann keine Richtung vorgeben. 

        Über die Autorin 

        Anja Förster ist Gründerin der Initiative Rebels at Work und gefragte Speakerin, die mit ihren Vorträgen in über 30 Ländern mehr als 250.000 Zuhörer*innen erreicht hat. Ihr aktuelles Buch „7 Superkräfte – Gestalten, Leben und Sein in einer chaotischen Welt“ ist überall erhältlich wo es Bücher gibt.

        Mehr Infos zu Anja Förster und ihrem Unternehmen gibt’s hier: